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Wednesday, 8. September 2010
Anja's Erlebnisse

Anja berichtet aus dem Koala Hospital

Eine weitere deutsche Koalafreundin hat die Möglichkeit, im Koala Hospital in Port Macquarie mitzuarbeiten. Anja hat ihre Sicht der Dinge in den folgenden Berichten geschildert. Vielen Dank dafür!!

15.10.2002

Mein erster Arbeitstag war sehr aufregend. Ich wurde von einem netten freiwilligen Helfer eingearbeitet, musste natürlich auch gleich bündelweise Eukalyptusbüsche in die Gehege bringen, die Wasserbehälter säubern und neu auffüllen und die Gehege rechen. Dann habe ich die ersten Koalas gesehen und angefasst, was für ein Erlebnis! Sie sind total süß, wirklich total langsam und riechen nach "Hustenbonbon". Dann wurde ich in die verschiedenen Arten von Eukalyptus eingewiesen und wie man die Blätter am besten verteilt und welcher Koala welche Fressensvorlieben hat. Leider musste ich auch gleich am ersten Tag mit ansehen wie zwei tote Koalas ins Hospital gebracht worden. Sie sind beide in der Nacht von Autos überfahren worden. Äußerlich sah man gar nichts, da ist auch ganz gut so, denn das heißt, dass sie mit dem Kopf direkt vor das Auto geraten sind und einen schnellen Tot hatten. Sie wurden dann sehr ausführlich untersucht, vermessen, gewogen, registriert und gescannt. Jeder Koala, der schon einmal Patient im Hospital war, bekommt einen Chip unter die Haut zur Erkennung. Seine Krankenkarte und ID sozusagen. Einer der beiden war tatsächlich schon einmal Patient, er wurde 1995 als Joey von schweren Verbrennungen geheilt und wieder entlassen. Er hat sich zu einem stattlichen Männchen entwickelt und wurde in der Blüte seiner Zeit nun von einem Auto überfahren. Welch ein Jammer! Das andere war ein Joey und noch unbekannt im Hospital. Sein Alter kann man u.a. an den Zähnen erkennen. Nachmittags durfte ich Cheyne bei einer Ultraschalluntersuchung und Blutabnahme von einem Koalaweibchen aus der Intensivstation helfen. Ich musste die Beinchen festhalten, während Cheyne den Koala in leichte Narkose versetzt hat. Das Weibchen hat Chlamydia. Es geht ihr nicht sehr gut. Cheyne versucht alles, aber es sieht nicht gut aus. Wir müssen hoffen.

So, demnächst mehr.
Liebe Grüße aus Port Macquarie
Anja

17.10.2002

Hallo liebe Koalafreunde,
meine ersten 5 Arbeitstage im Koala Hospital habe ich hinter mir. so langsam gewöhnt man sich auch an das australische Englisch. gestern durfte ich das erste mal zwei Koalas füttern. das macht unheimlich Spaß. Die Kerlchen sind ganz wild auf ihre Proteinmilch. wie schon erwähnt beginnt die Morgenschicht immer mit dem saubern der Gehege. Ich habe mich die tage um Oxley Bill gekümmert, ein prächtiges Männchen. er hat ein Bein gebrochen und hatte bis gestern einen Gipsverband. Das hat ihn aber in keiner Weise am Herumklettern gestört. Er ist total aktiv, was für einen Koala recht ungewöhnlich ist. Jeder liebt ihn hier, er wird auch der Buddha genannt, weil er ziemlich fett ist und wie ein kleiner Buddha aussieht, wenn er schläft. Gestern wurde der Gips abgenommen, sieht alles gut aus, Cheyne hat ihn sich heute noch mal angeschaut und in ca. 2 Wochen kann er wieder freigelassen werden. Dann musste ich die Gehege in der Intensivstation saubermachen. Diese arbeit ist eigentlich die schwerste, weil man sich in einem sehr engem Raum befindet, aber auch dort die großen Eukalyptusbündel auswechseln muss. Man muss durch die Gum Trees durchklettern und außerdem sehr leise und vorsichtig sein, weil dort wirklich die kranken Patienten sind. Es gibt dort zur zeit eine Mutter mit einem Joey, sehr süß. Das Muttertier hat Conjunctivitis am Auge, dem Joey geht’s gut. Es ist ein kleinen verwöhntes Ding und will immer auf Mutters Bauch sitzen. dazu ist aber schon zu alt und müsste eigentlich auf ihrem Rücken sitzen. Die Mutter ist viel zu gutmütig und lässt das Junge gewähren. Dann gibt es noch Lighthouse Pete, ein ziemlich großes Männchen, das von einem Hund gebissen wurde. Seine Wunde heilt recht gut und ca. ein paar Wochen bekommt er seine Freiheit wieder. Der einzige Sorgenfall ist nach wie vor der Wet Bottom Fall. Dieses Weibchen ( wobei ich Cheyne bei der Ultraschalluntersuchung geholfen habe) ist in keinem guten Zustand. Hoffentlich geht’s ihr bald wieder besser, aber es sieht nicht gut aus. Ansonsten haben wir gestern Nachmittag noch mal schnell die Veranda vom Hospital gestrichen. Eigentlich sollte das jemand externes machen, ist aber nie gekommen, oder hatte immer ausreden. Also beschlossen die ganzen Helfer, mal eben das Hospital selber zu streichen. Wir hatten sehr viel Spaß. unter freiem Himmel in der Sonne macht jede Arbeit Spaß. So, meine Zeit im Internet ist vorbei, leider, habe noch viel zu berichten.
demnächst mehr.
g'day und bis bald...
Anja

20.10.2002

Es ist super toll hier in Port Macquarie, das Wetter ist traumhaft, die Leute total entspannt, die Natur und die Strände wunderschön und die Arbeit im Hospital macht sehr viel Spaß. Es gibt jeden tag etwas neues zu lernen. Jetzt bin ich seit einer Woche jeden tag von morgens 8:00 Uhr bis mind. 12:00 oder länger dort, je nachdem wie viel zu tun ist. Danach muss ich mich an den supertollen Stränden von der Arbeit erholen, ist doch ganz schön anstrengend jeden Tag ziemlich viel körperlich zu arbeiten. und leichter werden die Eukalyptusbündel auch nicht. Nach ca. 3 Tagen durfte ich das erste mal einen Koala füttern. Das ist die allerschönste Arbeit! Es ist nicht so einfach, man muss die Spritze mit der Flüssigmilch an der Seite in das Mäulchen träufeln, wo keine zähne sind. Und immer von oben, denn sonst kann die Nahrung in die Lunge kommen und der Koala kann ersticken. Aber nach zwei mal hat man das auch raus. Und dann heißt es Mäulchen abwischen und das mag überhaupt kein Koala! Sie schimpfen immer ganz doll, wenn man mit dem Lappen kommt! Die Arbeit im innern der Intensivstation ist auch ziemlich anstrengend, da die Räume dort natürlich viel kleiner sind und man trotzdem die großen Eukalyptusbündel hinein und hinaus transportieren muss. außerdem muss man besonders vorsichtig sein, denn die Koalas hier drinnen sind wirklich krank und sollten so wenig möglich gestört werden. Gestern morgen sind zwei Neuzugänge zur gleichen Zeit gekommen. War ganz schön was zu tun, denn natürlich mussten sofort zwei Gehege auf der Intensivstation hergerichtet werden. Ein Koala, ein sehr großes Männchen, war dehydriert, auch eine Folge der Dürre hier, es hat seit Monaten nicht mehr geregnet, und auch die Eukalyptusblätter enthalten nicht mehr genug Feuchtigkeit. Er wird mit ausreichend frischem Wasser und frischen, mit Wasser besprühten Eukalyptusblättern versorgt. Der andere, ein kleines Weibchen überstand einen milden ( Gott sei dank) Hundeangriff und ist nur zur Beobachtung über nacht da. Sie hat aber ganz viele Zecken, die ihr alle entfernt wurden, keine schöne Sache das. Unsere Patienten im Hospital haben eigentlich kaum Zecken. Die mit Blut vollgesaugten Schädlinge werden gesammelt, tiefgefroren und einmal im Monat zur uni nach Sydney geschickt. das ist für ein Forschungsprojekt. Was man nicht alles erforschen kann....
Heute hat uns ein wilder Koala besucht. Er saß außen vorm Hospital auf einem Baum und hat uns bei der Arbeit zugeschaut. Die Helfer haben Wetten abgeschlossen wer es wohl sein kann, er hatte eine Marke im Ohr ( Männchen haben die Marke links und Weibchen haben die Markierung rechts im Ohr). Zu guter letzt wurde ein Fernglas geholt und der Koala eindeutig identifiziert. und vom Wettverlierer gibt es morgen Kuchen im Hospital, hihi.
so, das war es erst einmal wieder,
demnächst mehr,
liebe Grüße
aus down under
Anja

28.10.2002

So, hier mal ein Bericht über die aktuellen Patienten im Koala Hospital. Es sind zur zeit ca. 20 Koalas im Hospital. Davon 5 Stück auf der Intensivstation. In den Außengehegen gibt es im Yard 1 den Langzeitpatienten Cathie Ernie. Ein männlicher Koala mit einer Krallen Infektion an einem der Vorderbeine. Seine Krallen sind deformiert an dem Bein und er wird täglich mit einer Spezialsalbe eingecremt. Ich mag ihn sehr und füttere ihn sehr gerne, er ist immer total gierig auf seine Milch, nur das Mäulchen abwischen nach dem Füttern, dass mag er gar nicht, mag übrigens kein Koala gerne.

Im Yard 2, dass ist ein Yard für Joeys, ist tagsüber der kleine Koala von Kathie, einer der Teamleiterinnen. sie hat ein Joey in Hauspflege. Es heißt Bermuda Barb. Ein ca. 8 Monate altes super süßes Baby, welches ein gebrochenes Bein hat. Ihm wurde vor ein paar Tagen der Gips abgenommen, und die kleine weis nun gar nicht, was sie mit dem Bein anfangen soll. Sie muss erst wieder lernen, die Muskeln zu bewegen, ihr Beinchen schlackert noch ein wenig hilflos herum, als ob gar nicht zu ihr gehört. Bermuda Barb und ihre Mutter sind Opfer eines Hundeangriffs. Ihre Mutter ist geflohen und das kleine wurde vom Baum gerettet. Es ist Gott sei dank schon alt genug, um alleine überleben zu können.

Yard 5 ist der Wet-Bottom Yard, die ansteckende und schlimmste Koalakrankheit. Hier muss noch sorgfältiger gearbeitet werden als sonst, denn man muss verhindern, dass man andere Koalas ansteckt. So müssen z. bs. immer die Schuhe desinfiziert werden, wenn man diesen Yard verlässt und in einen anderen geht, und man muss sich die Hände waschen bevor man einen anderen Koala anfasst. In diesem Yard ist Marbuk van Gough, außerdem Opfer eines Hundeangriffs. Durch zuviel Stress können die Koalas auch an Wet-Bottom erkranken. Sie sind sehr sensible Tiere. So darf man z.B. nie die gesamten Eukalyptusbündel auf einmal aus dem Gehege nehmen und austauschen, die Koalas geraten dann unter Stress und suchen ganz hektisch ihre Blätter. Marbuk van Gough ist fast geheilt, sie bekommt noch Spezialfutter und ihre Tage im Koalahospital sind wohl gezählt bevor sie wieder in die Freiheit entlassen werden kann.

Yard 6 ist das zuhause von Kempsey Carolina, ein blindes Weibchen, die nach einem Autounfall ein Schädeltrauma erlitten hat und wahrscheinlich dadurch erblindet ist. Sie ist eine ganz Liebe. Kommt beim Füttern immer ganz nah mit ihrem Schnäuzchen an mich ran. Manchmal irrt sie etwas verwirrt im Gehege umher und sucht ihren Baum zum Hochklettern. Schon traurig diesen armen blinden Koala zu sehen. In der freien Natur hätte sie keine Chance mehr. Aber hier gibt es ja die lieben Menschen vom Hospital, die sie täglich mit frischen Blättern und Milchnahrung versorgen. Sie darf den Rest ihres Lebens hier verbringen.

Im Yard 7 ist Oxley Bill, mein Liebling. Er ist ein sehr sehr großer, dicker Koala. Alle nennen ihn hier den Buddha. Er hat ein gebrochenes Vorderbein. Als ich angefangen habe, hatte er noch einen Gipsverband, der ihm aber nach ein paar Tagen abgenommen wurde. So ein kahlrasiertes Koalabein sieht ein bisschen wie ein menschliches Babybein mit Babyspeck aus. Witzig. Der Bruch ist gut verheilt und er kann bald wieder in die Freiheit zurück. Wenn ich sein Gehege sauber mache und die Blätter erneure, sitzt er immer ganz am Anfang auf seinem Baum und wartet regelrecht, bis ich endlich fertig bin und er neue frische leckere Blätter bekommt. Es sieht immer so aus, als sonne er sich und beobachtet die anderen Koalas in den Nachbargehhegen.

Im Yard 8 ist Fuzzy Roy untergebracht, ein durch Chlamydia erblindetes Koalamännchen. Auch er darf hier für immer bleiben.

Ja, dann gibt es noch die beiden sehr großen Yards 9 + 11.
In Yard 9 sind 7 Koalas untergebracht, alles Opfer von Buschfeuern. Unter anderem ist hier Cathie Pathfinder, Perch Miracle und Cloud. Die Helfer aus dem Hospital können jeden einzelnen Koala unterscheiden und erkennen, selbst wenn er hoch oben in den Bäumen sitzt. Ich glaube, dazu muss man wirklich Jahre mit den Koalas verbringen, um sie alle einzeln zu erkennen.

So, das war’s es erst einmal wieder. Im nächsten Bericht erzähle ich über die Patienten in der Intensivstation.

Liebe Grüße aus Australien
Anja

04.11.2002

Hallo Lutz und alle Koalafreunde,
endlich habe ich mal wieder Zeit mich aus dem Koalahospital zu melden.
Ich war letzte Woche für 5 Tage in Byron Bay und als ich nachts im Regen wiederkam und mich mit dem Taxifahrer über das schlechte Wetter unterhielt, bekam ich einen Schock. Er sagt, dass die Menschen hier froh sind über den Regen, denn es gibt seit ein paar Tagen Buschfeuer in der Nähe der Stadt. Ich war ganz besorgt, natürlich auch wegen der Koalas. Am nächsten Arbeitstag bin ich ganz aufgeregt ins Hospital gekommen und erkundigte mich gleich, ob es Brandopfer gab. Zum Glück noch nicht. Aber die meisten Koalas in den Außengehegen, die einigermaßen fit waren, wurden freigelassen. Man befürchtete, dass viele verletzte Koalas gefunden werden und man brauchte Platz für eventuelle neue Patienten. Bei den letzten Buschfeuern im Januar hatte man wohl ein ziemliches Platzproblem. Die vielen Helfer sind täglich in schweren Schutzanzügen bei den Feuern und suchen verletzte Koalas. Unglaublich, diese Menschen. Bis jetzt wurde nur ein Koalamännchen gefunden, es ist auf der Intensivstation. Es hat verbrannte Füße und ist dehydriert, aber seine Zukunft ist nicht schlecht, dank dem Koalahospital.
So langsam beginnt nun auch die Brunftsaison und ich hörte die Tage zum ersten mal die wirklich lauten, tiefen Stimmen der Koalas. Das erste mal reinigte ich gerade eine Unit auf der Intensivstation von einem wirklich 11 kg-Brocken, gerade als mein Kopf unter ihm war und ich die Blätter erneuerte, fing er an zu brüllen, habe mich ganz schön erschrocken. Nun gut, nun weis ich auch, wie ein Koala brüllt. :-)
So, das war’s erst mal wieder aus Port Macquarie.
Liebe Grüße, bis demnächst....
Anja

 
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