| Anja's Erlebnisse |
|
Anja berichtet aus dem Koala Hospital Eine weitere deutsche Koalafreundin hat die Möglichkeit, im Koala Hospital in Port Macquarie mitzuarbeiten. Anja hat ihre Sicht der Dinge in den folgenden Berichten geschildert. Vielen Dank dafür!! 15.10.2002 Mein erster Arbeitstag war sehr aufregend. Ich wurde von einem netten freiwilligen Helfer eingearbeitet, musste natürlich auch gleich bündelweise Eukalyptusbüsche in die Gehege bringen, die Wasserbehälter säubern und neu auffüllen und die Gehege rechen. Dann habe ich die ersten Koalas gesehen und angefasst, was für ein Erlebnis! Sie sind total süß, wirklich total langsam und riechen nach "Hustenbonbon". Dann wurde ich in die verschiedenen Arten von Eukalyptus eingewiesen und wie man die Blätter am besten verteilt und welcher Koala welche Fressensvorlieben hat. Leider musste ich auch gleich am ersten Tag mit ansehen wie zwei tote Koalas ins Hospital gebracht worden. Sie sind beide in der Nacht von Autos überfahren worden. Äußerlich sah man gar nichts, da ist auch ganz gut so, denn das heißt, dass sie mit dem Kopf direkt vor das Auto geraten sind und einen schnellen Tot hatten. Sie wurden dann sehr ausführlich untersucht, vermessen, gewogen, registriert und gescannt. Jeder Koala, der schon einmal Patient im Hospital war, bekommt einen Chip unter die Haut zur Erkennung. Seine Krankenkarte und ID sozusagen. Einer der beiden war tatsächlich schon einmal Patient, er wurde 1995 als Joey von schweren Verbrennungen geheilt und wieder entlassen. Er hat sich zu einem stattlichen Männchen entwickelt und wurde in der Blüte seiner Zeit nun von einem Auto überfahren. Welch ein Jammer! Das andere war ein Joey und noch unbekannt im Hospital. Sein Alter kann man u.a. an den Zähnen erkennen. Nachmittags durfte ich Cheyne bei einer Ultraschalluntersuchung und Blutabnahme von einem Koalaweibchen aus der Intensivstation helfen. Ich musste die Beinchen festhalten, während Cheyne den Koala in leichte Narkose versetzt hat. Das Weibchen hat Chlamydia. Es geht ihr nicht sehr gut. Cheyne versucht alles, aber es sieht nicht gut aus. Wir müssen hoffen. So, demnächst mehr. 17.10.2002 Hallo liebe Koalafreunde, 20.10.2002 Es ist super toll hier in Port Macquarie, das Wetter ist traumhaft, die Leute total entspannt, die Natur und die Strände wunderschön und die Arbeit im Hospital macht sehr viel Spaß. Es gibt jeden tag etwas neues zu lernen. Jetzt bin ich seit einer Woche jeden tag von morgens 8:00 Uhr bis mind. 12:00 oder länger dort, je nachdem wie viel zu tun ist. Danach muss ich mich an den supertollen Stränden von der Arbeit erholen, ist doch ganz schön anstrengend jeden Tag ziemlich viel körperlich zu arbeiten. und leichter werden die Eukalyptusbündel auch nicht. Nach ca. 3 Tagen durfte ich das erste mal einen Koala füttern. Das ist die allerschönste Arbeit! Es ist nicht so einfach, man muss die Spritze mit der Flüssigmilch an der Seite in das Mäulchen träufeln, wo keine zähne sind. Und immer von oben, denn sonst kann die Nahrung in die Lunge kommen und der Koala kann ersticken. Aber nach zwei mal hat man das auch raus. Und dann heißt es Mäulchen abwischen und das mag überhaupt kein Koala! Sie schimpfen immer ganz doll, wenn man mit dem Lappen kommt! Die Arbeit im innern der Intensivstation ist auch ziemlich anstrengend, da die Räume dort natürlich viel kleiner sind und man trotzdem die großen Eukalyptusbündel hinein und hinaus transportieren muss. außerdem muss man besonders vorsichtig sein, denn die Koalas hier drinnen sind wirklich krank und sollten so wenig möglich gestört werden. Gestern morgen sind zwei Neuzugänge zur gleichen Zeit gekommen. War ganz schön was zu tun, denn natürlich mussten sofort zwei Gehege auf der Intensivstation hergerichtet werden. Ein Koala, ein sehr großes Männchen, war dehydriert, auch eine Folge der Dürre hier, es hat seit Monaten nicht mehr geregnet, und auch die Eukalyptusblätter enthalten nicht mehr genug Feuchtigkeit. Er wird mit ausreichend frischem Wasser und frischen, mit Wasser besprühten Eukalyptusblättern versorgt. Der andere, ein kleines Weibchen überstand einen milden ( Gott sei dank) Hundeangriff und ist nur zur Beobachtung über nacht da. Sie hat aber ganz viele Zecken, die ihr alle entfernt wurden, keine schöne Sache das. Unsere Patienten im Hospital haben eigentlich kaum Zecken. Die mit Blut vollgesaugten Schädlinge werden gesammelt, tiefgefroren und einmal im Monat zur uni nach Sydney geschickt. das ist für ein Forschungsprojekt. Was man nicht alles erforschen kann.... 28.10.2002 So, hier mal ein Bericht über die aktuellen Patienten im Koala Hospital. Es sind zur zeit ca. 20 Koalas im Hospital. Davon 5 Stück auf der Intensivstation. In den Außengehegen gibt es im Yard 1 den Langzeitpatienten Cathie Ernie. Ein männlicher Koala mit einer Krallen Infektion an einem der Vorderbeine. Seine Krallen sind deformiert an dem Bein und er wird täglich mit einer Spezialsalbe eingecremt. Ich mag ihn sehr und füttere ihn sehr gerne, er ist immer total gierig auf seine Milch, nur das Mäulchen abwischen nach dem Füttern, dass mag er gar nicht, mag übrigens kein Koala gerne. Im Yard 2, dass ist ein Yard für Joeys, ist tagsüber der kleine Koala von Kathie, einer der Teamleiterinnen. sie hat ein Joey in Hauspflege. Es heißt Bermuda Barb. Ein ca. 8 Monate altes super süßes Baby, welches ein gebrochenes Bein hat. Ihm wurde vor ein paar Tagen der Gips abgenommen, und die kleine weis nun gar nicht, was sie mit dem Bein anfangen soll. Sie muss erst wieder lernen, die Muskeln zu bewegen, ihr Beinchen schlackert noch ein wenig hilflos herum, als ob gar nicht zu ihr gehört. Bermuda Barb und ihre Mutter sind Opfer eines Hundeangriffs. Ihre Mutter ist geflohen und das kleine wurde vom Baum gerettet. Es ist Gott sei dank schon alt genug, um alleine überleben zu können. Yard 5 ist der Wet-Bottom Yard, die ansteckende und schlimmste Koalakrankheit. Hier muss noch sorgfältiger gearbeitet werden als sonst, denn man muss verhindern, dass man andere Koalas ansteckt. So müssen z. bs. immer die Schuhe desinfiziert werden, wenn man diesen Yard verlässt und in einen anderen geht, und man muss sich die Hände waschen bevor man einen anderen Koala anfasst. In diesem Yard ist Marbuk van Gough, außerdem Opfer eines Hundeangriffs. Durch zuviel Stress können die Koalas auch an Wet-Bottom erkranken. Sie sind sehr sensible Tiere. So darf man z.B. nie die gesamten Eukalyptusbündel auf einmal aus dem Gehege nehmen und austauschen, die Koalas geraten dann unter Stress und suchen ganz hektisch ihre Blätter. Marbuk van Gough ist fast geheilt, sie bekommt noch Spezialfutter und ihre Tage im Koalahospital sind wohl gezählt bevor sie wieder in die Freiheit entlassen werden kann. Yard 6 ist das zuhause von Kempsey Carolina, ein blindes Weibchen, die nach einem Autounfall ein Schädeltrauma erlitten hat und wahrscheinlich dadurch erblindet ist. Sie ist eine ganz Liebe. Kommt beim Füttern immer ganz nah mit ihrem Schnäuzchen an mich ran. Manchmal irrt sie etwas verwirrt im Gehege umher und sucht ihren Baum zum Hochklettern. Schon traurig diesen armen blinden Koala zu sehen. In der freien Natur hätte sie keine Chance mehr. Aber hier gibt es ja die lieben Menschen vom Hospital, die sie täglich mit frischen Blättern und Milchnahrung versorgen. Sie darf den Rest ihres Lebens hier verbringen. Im Yard 7 ist Oxley Bill, mein Liebling. Er ist ein sehr sehr großer, dicker Koala. Alle nennen ihn hier den Buddha. Er hat ein gebrochenes Vorderbein. Als ich angefangen habe, hatte er noch einen Gipsverband, der ihm aber nach ein paar Tagen abgenommen wurde. So ein kahlrasiertes Koalabein sieht ein bisschen wie ein menschliches Babybein mit Babyspeck aus. Witzig. Der Bruch ist gut verheilt und er kann bald wieder in die Freiheit zurück. Wenn ich sein Gehege sauber mache und die Blätter erneure, sitzt er immer ganz am Anfang auf seinem Baum und wartet regelrecht, bis ich endlich fertig bin und er neue frische leckere Blätter bekommt. Es sieht immer so aus, als sonne er sich und beobachtet die anderen Koalas in den Nachbargehhegen. Im Yard 8 ist Fuzzy Roy untergebracht, ein durch Chlamydia erblindetes Koalamännchen. Auch er darf hier für immer bleiben. Ja, dann gibt es noch die beiden sehr großen Yards 9 + 11. So, das war’s es erst einmal wieder. Im nächsten Bericht erzähle ich über die Patienten in der Intensivstation. Liebe Grüße aus Australien 04.11.2002 Hallo Lutz und alle Koalafreunde, |
| < zurück | weiter > |
|---|

