| Koalaproblematik auf Kangaroo - Island |
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In den Medien wurde Anfang März 2004 davon berichtet, dass in Südaustralien und da speziell auf Kangaroo Island 30.000 Koalas abgeschossen werden sollen. Daraufhin haben mich viele Koalafreunde angesprochen, da sie Näheres zu dieser Problematik erfahren wollten. Geschichtliches Die ersten Koalas oder koala-ähnlichen Tiere haben sich im Verlauf der Evolutionen auf dem australischen Kontinent herausgebildet. Wissenschaftler schätzen, dass dies ungefähr vor 45 Millionen Jahren geschehen ist, als sich die australischen Landmassen von der Antarktis gelöst und langsam in Richtung Norden verschoben haben. Die ältesten, von Forschern aufgespürten Fossilien von koala-verwandten Tieren sind die Überreste von Lebewesen, die vor ungefähr 25 Millionen Jahren gelebt haben. Kangaroo Island Durch den hemmungslosen Abschuss waren die Koalas um 1920 in Südaustralien ausgestorben. Damals wurden vom Bundesstaat Victoria 18 Tiere mit ihren Jungen auf die Insel Kangaroo Island gebracht. Die drittgrößte australische Insel galt als eine Art Arche Noah, weil sich hier nur wenige Siedler niedergelassen hatten und die Natur auf der Insel nicht der Zivilisation zum Opfer gefallen war. Man wollte den Koalas eine neue Überlebenschance in einem möglichst ursprünglichen Lebensraum geben. Anfangs klappte das auch bestens, die Koalas störten das natürliche Gefüge der Insel und seine alteingesessenen Bewohner kaum. Meine Meinung Verständlicherweise wird jedem Koalafreund bei dieser Meldung das Herz bluten. Auch mir ging es nicht anders. Allerdings bin ich der Meinung, dass die Koalas auf Kangaroo Island nicht Schuld an der ganzen Misere sind. Neben der Überbevölkerung an Tieren spielen auch andere Faktoren eine Rolle. So wurden, wie auch in anderen Teilen Australiens Waldflächen gerodet und somit weiterer Lebensraum zerstört. Von der Australian Koala Foundation (AKF) wurden Studien vorgelegt, dass neben der Versalzung des Bodens durch unkontrollierten Einsatz von Düngemitteln und Austrocknung der Böden, Überweidung und Abholzung auch ein Pilzbefall der Eukalyptusbäume durch Phytophthera zum Baumsterben beigetragen haben. Wie so oft hat also der Mensch in seinen maßlosen Profitstreben versagt, ob es sich dabei um Tourismus oder Landwirtschaft handelt, ist dabei nicht relevant. Man bekommt jetzt die Quittung dafür. Warum sollen also die Koalas dafür büßen? Die in den 90ziger Jahren in Angriff genommenen Maßnahmen waren meiner Meinung nach halbherzig und hatten nur Alibifunktion, um die Proteste zu beruhigen. Ich befürworte den Abschuss, weil er für mich zurzeit die einzige Möglichkeit darstellt, viele kranke und geschwächte Tiere von ihren Qualen zu erlösen und sie nicht einem schleichenden Hungertod auszuliefern. Gleichzeitig fordere ich ein langfristiges Programm zur Populationskontrolle und Aufforstung, nur so sind die Probleme lösbar. Ich denke, dass hier speziell die Tourismusindustrie aufgefordert ist, in die Zukunft zu investieren, denn jahrzehntelang hat sich diese Branche auf Kosten der Koalas eine goldene Nase verdient. Es wird Zeit, dass ein Teil davon den Tieren und der Umwelt zurück gegeben wird. Lutz Michel
Update 17.02.2005 Koalas auf Kangaroo Island - Sterilisation und Umsiedlung Seit es unseren Newsletter gibt (seit 1998) entflammt immer wieder die Diskussion wie die australischen Behörden mit der rasanten Vermehrung von Koalas auf Kangaroo Island umgehen sollen. Umweltminister John Hill kündigte ein Programm zur Sterilisation und Umsiedlung der Tiere auf der Insel an. Die Maßnahmen dienen laut dem Minister dem Schutz der Tiere vor dem Hungertod, denn die tausenden Koalas konkurrieren um immer weniger Nahrung. Die geplante Tötung von 20 000 Koalas sei aber wegen der massiven Proteste von Tierschützern ad acta gelegt worden. Außerdem habe Australien einen schlechten Ruf befürchtet, wenn es die beliebten, landestypischen Beuteltiere töte. Mangels natürlicher Feinde auf der Insel stieg die Zahl der Koalas dort in den vergangenen Jahren drastisch an: Während 1996 noch 5000 Exemplare auf der Insel lebten, sind es heute bereits 27 000. Laut Hill zerstören die Beuteltiere ihre eigene Lebensgrundlage - ihre bevorzugten Eukalypten. Von der Sterilisation sollen laut dem Minister zunächst 650 Koalas betroffen sein, 550 weitere sollen umgesiedelt werden. Meine Meinung Die Sterilisation und Umsiedlung von insgesamt 1200 Tieren sind nicht ausreichend. Ich denke, dass diese Zahl relativ schnell durch die natürliche Reproduktion ausgeglichen wird. Abgesehen davon, dass viele Umsiedlungsprogramme auch in anderen Regionen nicht unbedingt von Erfolg gekrönt waren. Koalas sind nunmal Nahrungsspezialisten und müssen in Gebiete umgesiedelt werden, wo ihre angestammten Nahrungsbäume wachsen. Wie schon Mitte der 90er Jahre - hier handelt die Regierung halbherzig, um Proteste zu besänftigen. Diese einmalige Aktion nützt überhaupt nichts. Lutz Michel
Update 02.10.2006 Mit Pfeil und Hormonen gegen die Koala-SchwemmeSie sind das knuffigste Maskottchen Australiens und eine echte Plage dazu. Weil Koalas eine Insel vor der Südküste kahlzufressen drohen, greifen Zoologen zu Pfeilen mit Verhütungsmitteln - anders können sie die Tiere in den Baumwipfeln sonst kaum erreichen. Für Zoologen ist es eine Geschichte über Empfängnisverhütung, für Ökologen eine über die Folgen menschlicher Eingriffe ins natürliche Gleichgewicht. Für die Australier ist es vor allem die Geschichte ihres knuffigsten Maskottchens - des Koalas. Wissenschaftler der University of New South Wales versuchen verzweifelt, diesen faulen Kuscheltieren auf Kangaroo Island Familienplanung aufzuzwingen. Die Insel, eine der größten vor der australischen Südküste, ächzt unter einer Population von schätzungsweise 28.000 Koalas, die sich an den jungen, zarten Eukalyptusblättern der Wälder von Kangaroo Island gütlich tun. Jeder von ihnen futtert fast ein Pfund davon täglich - obwohl die Tiere nur wenige Stunden am Tag wach sind. Geht das so weiter, werden die Koalas ihre Insel bald kahlgefressen haben. Natürliche Feinde haben sie hier nicht, wurden sie doch erst in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts nach Kangaroo Island gebracht - von Menschen. Die wollten mit nur 18 Tieren einen geschützten Lebensraum errichten. Auf dem australischen Kontinent waren die Tiere zuvor von Felljägern und durch Abholzung nahezu ausgerottet worden. Doch aus 18 wurden 28.000 Koalas. Wann immer Regierungsstellen die Möglichkeit ins Gespräch brachten, einen Teil der Population zu bejagen, wurden wütende Proteste laut. In Australien ist es nicht vermittelbar, die knuffigen Maskottchen gewaltsam zu dezimieren. Prinzip bekannt von Hunden und Menschen Daher forscht Cathy Herbert von der University of New South Wales an einer sanften Methode: der hormonellen Empfängnisverhütung. Durch Implantate, die kontinuierlich das Hormon Gonadtrophin abgeben, sollen Koala-Damen zwei Jahre lang unfruchtbar gemacht werden. Ein Test, in dem das Hormonröhrchen zwischen die Schulterblätter von Bärinnen verpflanzt wurde, verlief nach Angaben der Nachrichtenagentur AP zu 100 Prozent erfolgreich. Das ist auch nicht verwunderlich. Vergleichbare Methoden sind sowohl beim Menschen (mit anderen Hormon-Cocktails) als auch bei Haustieren wie Hunden (mit Gonadtrophin) bereits erprobt und zugelassen. Das Experiment lässt sich aber aus praktischen Gründen nicht auf ganz Kangaroo Island anwenden: Den Zoologen fällt es zu schwer, an die Koalas heranzukommen. Einen einziges Tier aus den Baumwipfeln zu scheuchen und ihn am Boden einzufangen, kann bis zu einer Stunde dauern, sagte Forscherin Herbert. Oft halten sich die Tiere dutzende Meter über der Erde auf - auch in den stark schwankenden Wipfeln des Eukalyptusbaums. "Jetzt entwickeln wir ein System, mit dem wir das Verhütungsmittel alle paar Jahre in den Oberschenkelmuskel der Tiere schießen können", sagte Cathy Herbert. Sie und ihre Kollegen experimentieren mit unterschiedlichen Pfeilen. Im nächsten Jahr seien sie fertig für Versuche im Feld. Gelingen die Experimente, stellen sie die einzige gewaltfreie Option dar, die auch ökonomisch umgesetzt werden kann, um Kangaroo Island auf Dauer grün zu halten. Frühere Programme zur Umsiedlung oder Sterilisierung der hungrigen, fortpflanzungsfreudigen Koalas hatten sich als zu kostspielig und umständlich für die Praxis erwiesen. Meine Meinung Endlich eine Meldung, die ahnen lässt, dass man das Problem in den Griff bekommt - bleibt nur zu hoffen, dass das Ökosystem auf der Insel die jahrelangen Versäumnisse des Menschen gut verkraftet und sich erholt - zum Wohle der Koalas, aber auch der gesamten Fauna und Flora. Lutz Michel Update 04.01.2008 Feuertragödie auf der Känguru-InselWaldbrände haben auf einer australischen Insel ein Drama ausgelöst: Mehrere große Naturschutzgebiete, die bedrohte Tierarten wie den Koala und das Derby-Wallaby beherbergen, sind nahezu vollständig abgebrannt. Ein Satellitenbild zeigt das Ausmaß der Zerstörung.
(Bild-Quelle: Spiegel Online) Die Känguru-Insel vor der Südküste Australiens ist ein Paradies für Menschen und Tiere: Naturschutzgebiete umfassen mehr als ein Drittel des rund 4400 Quadratkilometer großen Eilands, das zur Hälfte von dichter, urtümlicher Vegetation bedeckt ist. Die Winter sind mild, die Sommer nicht zu warm. Allerdings gibt es Ausnahmen: Manchmal kann es extrem heiß und trocken werden, wie in den vergangenen Tagen und Wochen deutlich wurde. Schon Anfang Dezember brachen große Feuersbrünste auf der Insel aus und wüteten tagelang. Während des Dezembers kamen immer neue Brände hinzu und richteten schwere Schäden in den Naturschutzgebieten an. Das Foto, das der US-Satellit "Aqua" am 26. Dezember geschossen hat, zeigt das Ausmaß der Zerstörung: Große Teile der Refugien sind niedergebrannt. Der Flinders-Chase-Nationalpark und das Wildnis-Schutzgebiet "Ravine des Casoars" im Westen der Insel sind praktisch nicht mehr existent: Die Brandspur, im Satelliten-Falschfarbenbild rot markiert, entspricht nahezu exakt der 42 mal 30 Kilometer großen Fläche der beiden Parks. Lediglich am äußersten Westzipfel der Insel ist noch ein grüner Fleck intakter Vegetation zu erkennen. Alles andere wurde ein Raub der Flammen, darunter zahlreiche Tiere. Auf der Insel leben unter anderem Koalas, Kurzschnabeligel, Fledermäuse und das Derby-Wallaby, eine kleine Känguru-Art. Auch das Kap-Gantheaume-Naturschutzgebiet im Südosten der Insel ist von den Bränden zu großen Teilen verwüstet worden. Hier konnte das Feuer allerdings am 12. Dezember unter Kontrolle gebracht und der Schaden so begrenzt werden. Im Westen der Känguru-Insel aber tobten die Brände weiter. Nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Nasa ist das unterschiedliche Verhalten der Brände auf dem Satellitenbild sichtbar. Während die Brandspuren im Westen dunkelrot leuchten, sind sie im Südosten ein wenig heller und erreichen auch nicht die Küste. Das Kap-Gantheaume-Naturschutzgebiet besteht, anders als die Schutzgebiete im Westen, hauptsächlich aus Feuchtgebieten, was die Brände gedämpft hat.
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